Dr. Frank - Ulrich Strauß
  Potenz  
 

Erektionsstörungen

 

 

Was Sie wissen sollten

 

Die mangelnde Versteifungsfähigkeit des Penis, bzw. die ungenügende Dauer der Versteifung, wird als Erektionsstörung bezeichnet. Eine länger andauernde Erektionsstörung, die einen Geschlechtsverkehr unmöglich macht, ist eine Krankheit.

Erektionsstörungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Betroffen sind etwa 1 bis 2% der 40jährigen und ca. 15 bis 20% der 65jährigen. Rauchen stellt den Hauptrisikofaktor für das Auftreten einer Erektionsstörung dar.

Erektionsstörungen können entweder ohne erkennbare Ursache oder als Folge einer anderen Erkrankung, z.B. einer Zuckererkrankung (Diabetes mellitus), einer Gefäßerkrankung (Arteriosklerose), einer Nervenerkrankung (Polyneuropathie) oder eines Bluthochdrucks, auftreten. Zudem kann eine Erektionsstörung als Folge der Einnahme von verschiedenen Medikamenten (bei Bluthochdruck, Antidepressiva etc.) auftreten.

Häufig sind Erektionsstörungen auch als Folge von Verletzungen (z.B. Beckenfraktur) oder Operationen (radikale Prostatektomie bei Prostatakrebs, Operationen des Enddarms z.B. bei Rektumkarzionom) bekannt.

Vor Einleitung einer Therapie sollte eine gründliche Voruntersuchung des betroffenen Mannes erfolgen, um Ursachen und Risikofaktoren genauer beurteilen und ggf. behandeln zu können. Dies dient u.a. dazu Folgekrankheiten, wie z.B. einem Herzinfarkt, vorzubeugen.

 

 

 

Der physiologische Erektionsvorgang

Das Schwellkörpergewebe selbst weist eine schwammartige Struktur auf. Vereinfacht gesagt tritt eine Erektion dadurch ein, dass die Blutzufuhr durch Erweiterung der Arterien gesteigert wird. Das Blut wird vom Herz unter Druck in das schwammartige Gewebe des Schwellkörpers gepumpt. Dieser ist wiederum umgeben vom festen Bindegewebe der Schwellkörperwand. Die Blutgefäße, welche sonst für den Blutabstrom sorgen (Venen), werden hierbei zusammengepresst, so dass der Druck im Schwellkörper ansteigt und sich der Penis so versteift und aufrichtet.


 

Der Ablauf einer physiologischen Erektion stellt einen komplexen Vorgang dar. Das Zusammenspiel von Nerven auf Ebene des Gehirns, Rückenmarkes und Beckens mit Blutgefäßen und Hormonen ist hierbei notwendig und kann durch psychische Faktoren, Hormonstörungen, Gefäß- oder Nervenerkrankungen, sowie Veränderungen des Schwellkörpergewebes gestört werden.

Häufig besteht auch eine Kombination aus mehreren Faktoren.

 

 

Notwendige ärztliche Untersuchungen

Da eine Erektionsstörung die Folge einer bislang unentdeckten, schwerwiegenden Erkrankung sein kann, sollte vor der Einleitung einer Behandlung unbedingt eine gründliche ärztliche Untersuchung erfolgen. Auch sollte Ihr Arzt abwägen, ob in Ihrem Fall bestimmte Behandlungsarten möglich sind oder auf Grund von etwaigen Nebenwirkungen bei Ihnen nicht angewendet werden sollten und Sie dahingehend beraten.


 


 

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Grundsätzlich bestehen verschiedene Therapieansätze, welche sich nach Ursache der Erkrankung, Alter und Risikofaktoren des Patienten und nach Präferenz des Patienten richten.


 


 

Viagra©, Levitra©, Cialis© und Co. (Die PDE-5 Hemmer)

Als erster PDE-5 (Phosphodiesterase-5 Hemmer) wurde 1998 Viagra© zugelassen. Ursprünglich wurde der Wirkstoff zur Behandlung eines Lungenbluthochdruckes entwickelt. In den Studien berichteten Patienten jedoch über eine Verbesserung der erektilen Funktion, sozusagen als „Nebenwirkung“.


Hiernach wurde der Wirkstoff Sildenafil auch zur Behandlung der Erektilen Funktion geprüft und zugelassen.

In den Folgejahren gelangten weitere PDE-5 Hemmer, wie Vardenafil (Levitra©)und Tadalafil (Cialis©) zur Zulassung, welche sich in der Wirkungsweise ähnlich sind, sich jedoch durch die Wirkdauer und Stoffwechsel im Körper (Pharmakokinetik) unterscheiden.

Die Wirkung der Medikamente zielt auf eine stärkere Erweiterung der den Penis versorgenden Blutgefäße ab, sodass die Erektionsfähigkeit verbessert wird.

Häufige Nebenwirkungen dieser Medikamente können Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck und Sehstörungen (verschwommen Sehen, Farbsehstörungen) sein.

Zu weiteren Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Insbesondere sollte durch einen Arzt geprüft werden, ob Gründe und Risikofaktoren (z.B. Medikamentenunverträglichkeiten) bestehen, welche gegen die Einnahme derartiger Arzneimittel sprechen.

Seit Juni 2013 ist Sildenafil nun auch von verschiedenen Generika-Herstellern zu beziehen. Vom Kauf aus unklaren Quellen (z.B. Unklare Quelle im Internet) sei an dieser Stelle erneut abgeraten.

 

 

Psychotherapie

Bei zahlreichen Patienten, insbesondere in den jüngeren Lebensjahren, findet eine psychische Komponente als möglicher Auslöser der Erektionsstörung.


Ggf. kann hier die Überweisung an einen spezialisierten Psychotherapeuten/ Psychiater zur Klärung möglicher Therapieansätze sinnvoll sein.

 

 

Schwellkörperautoinjektion (SKAT)

Sollte die Verwendung der in Tablettenform erhältlichen Medikamente zu keiner ausreichenden Besserung der Erektionsstörung geführt haben, kann die Anwendung von Wirkstoffen welche direkt in den Schwellkörper injiziert werden probiert werden. Hierbei erfolgt die erste Anwendung zumeist durch den Urologen/-in um den ersten Therapieerfolg zu beurteilen und um ggf. sonographisch die Durchblutung der Penisschwellkörper messen zu können.


Sollte hier ein Therapieerfolg feststellbar sein, kann die Anwendung durch den Patienten selbst erfolgen. Hierzu ist eine Selbstinjektion ca. 10-20 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr notwendig. Seitens der Pharmaunternehmen werden hier individuell dosierbare Fertigspritzen angeboten (z.B. CAVERJECT©). Die hierbei verwendeten Nadeln sind sehr dünn und mit denen eines Insulin-Pen bei Diabetikern vergleichbar. Die Anwendung ist somit nicht schmerzhaft.

Alternativ kann der hier verwendete Wirkstoff auch über eine Schmelztablette in die Harnröhre eingeführt werden (MUSE©).

Welches Verfahren gewählt wird, sollte der Arzt gemeinsam mit dem Patienten in einem individuellen Gespräch entscheiden.

 

 

Vakuumpumpe

Alternativ zur Verwendung von Medikamente kann die Verwendung einer Vakuumpumpe zur Behandlung der Erektionsstörung probiert werden. Hierbei wird ein Zylinder über Penis gestülpt in welchem ein Vakuum erzeugt wird. Hierdurch dehnt sich der Schwellkörper und Blut strömt in den Penis ein. Sobald die Erektion eingetreten ist wird ein Gummiring über die Penisbasis gestülpt, welcher das Abfließen des Blutes verhindern soll.


 


 

Schwellkörperprothese

Sollten die bislang genannten Behandlungsmöglichkeiten ohne Erfolg geblieben sein, steht als letzte Option die Implantation einer Schwellkörperprothese.


Hierbei werden die Schwellkörper durch halbfeste (semiregide) oder hydraulische Prothesenschenkel ersetzt. Bei hydraulischen Prothesen besteht über einen Ventilmechanismus die Möglichkeit die Schwellkörperprothese zu aktivieren und zu deaktivieren und somit die Erektion zu steuern.

Da durch die Operation die Schwammstruktur des Schwellkörpers geschädigt wird, ist es nach einem solchen Eingriff nicht möglich, auf andere Therapiemöglichkeiten (Tabletten, SKAT) zurück zu wechseln.

Entsprechende Operationen werden in spezialisierten Zentren vorgenommen.

 

 

ESWT

Eine neue Methode kann bestimmte Ursachen von Potenzstörungen dauerhaft heilen. Die extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT) bei Erektionsstörungen.


Seit Kurzem gibt es mit der extrakorporalen Stoßwellentherapie eine Alternative zu der medikamentösen Therapie. Die Methode eröffnet auch eine Chance für Männer, bei denen Viagra und Co keine ausreichende Wirkung mehr zeigt. Während mit der medikamentösen Therapie lediglich eine kurzfristige symptomatische Verbesserung erreicht werden kann, verfolgt die Therapie mit Stoßwellen das Ziel durch eine Neubildung von Gefäßen die Erkrankung zu heilen bzw. ihr Fortschreiten zu verhindern. Die Wirkung konnte in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden.

 

 

 


 


 Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie des Penis (ESWT) werden an verschiedenen Applikationsorten des Penis mittels einer am Penis-Schaft bzw. -Damm aufgesetzten Sonde niederenergetische Schockwellen in den Schwellkörper gesendet.


Die Therapie wird ambulant ohne Anästhesie durchgeführt. Sie ist schmerzlos und dauert lediglich einige Minuten. Der Therapiekopf wird über den Schwellkörpern positioniert und dann dem Schwellkörperverlauf folgend bewegt. Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt.

Insgesamt werden 6 Sitzungen à 20 Min. durchgeführt. Durch diese völlig neue Therapie kommt es zu einer Verbesserung der Durchblutung der Schwellkörper, Bildung neuer Kapillaren (Angiogenese). Mehrere Studien zeigen insbesondere bei Männern mit gefäßbedingter Erektionsstörung auch langfristig über Jahre sehr erfolgreiche Ergebnisse. Nach ca.  3 Monaten sollte eine 2. Serie durchgeführt werde, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen.

 

Die Wirkmechanismen

Mechanische Stimuli beeinflussen viele zellulären Funktionen lebender Gewebe. Extrakorporale Stoßwellen- seit 30 Jahren Bestandteil der modernen Medizin- sind als ein mechanischer Stressor zu verstehen, der in der Lage ist, biochemische Veränderungen in lebenden Geweben herbeizuführen.

ED spezifische Wirkung:

  • Angiogenese (Gefäßneubildung)
  • Verbesserte Mikrozirkulation

 

Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?

Nein. Komplikationen wie z.B. blaue Flecken oder kleine Hautverletzungen sind sehr selten und heilen innerhalb weniger Tage ohne Behandlung ab. Allerdings gibt es ein paar Kontraindikationen, welche die Anwendung von Stoßwellen verbieten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Stoßwellentherapie für Sie angezeigt ist.

Die Erfolgsquote der ESWT liegt bei ungefähr 80%.

 

Die Diagnostik und Behandlungsplanung sollte bei jeden Patienten individuell erfolgen. Wenden Sie Sich an einen niedergelassenen Urologen. Dieser wird Sie entsprechend beraten und mit Ihnen ein Therapiekonzept erarbeiten.

 

 

Sollten Sie weitere Rückfragen haben, wenden Sie sich bitte an einen Urologen Ihres Vertrauens.