Dr. Frank - Ulrich Strauß
  Steinleiden  
 

 Steinleiden

 


"Liborius, halt für uns an,

auf dass nicht Gries und Nierenstein

die Strafen unsrer Sünden sei'n."

(Pilgergebet zum Liboriusfest in Paderborn)


 


 


Urolithiasis: Harnsteinleiden
Nephrolithiasis: Nierensteinleiden
Ureterolithiasis: Harnleitersteinleiden


Entstehung

Jeder Harnstein setzt sich zusammen aus einer kristallinen, anorganischen Substanz und einem organischen Netzwerk, der sog. Matrix. Die Ursachen der genauen Steinentstehung sind noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Die heute allgemein anerkannte Theorie besagt, dass durch Veränderungen im Nierengewebe (intratubulär) die Steinmatrix gebildet wird, um die herum sich dann kristalline Substanzen anlagern. So entstehen winzige Steinchen (Mikrolithen), die in die Nierenkelche ausgespült werden und durch weitere Anlagerungen schnell wachsen. Begünstigende Faktoren sind:


  • Harnstauung (s.Prostata)
  • Infektion
  • Abflußstörungen (s.Prostata)
  • Innervationsstörungen
  • Stoffwechselstörungen

     


Die häufigsten Steine unterscheiden sich makroskopisch (d.h. mit bloßem Auge ohne Mikroskop) durch ihr äußeres Erscheinungsbild, die Farbe, Härte und Bruchart:

Calcium-Oxalat-Stein :
ca. 60% aller Steine, meist klein, sehr rauh und zackig, schwarz-braun, stark Röntgen-Schatten gebend

Phosphat-Steine :
18-20% aller Steine, grau-weiß, bröckelig, etwas weicher, mäßig bis wenig Röntgen-Schatten gebend

Harnsäure-Steine :
15-19% aller Steine, kann in jeder Größe vorkommen, rundliche, glatte Oberfläche, gelbbraun bis rostbraun, nicht Röntgen-Schatten gebend

Zystin- /Xanthin Steine:
%, sehr selten, nicht Rötgen-Schatten gebend

 
 


Krankheiten als Ursache der Steinbildung

Calcium-Steine:

  • erhöhter Stoffwechsel der Nebenschilddrüse (Nachweis des Nebenschilddrüsen- hormones "Parathormon" im Blut, erhöhter Calcium-Spiegel im Blut)
  • Bettlägerigkeit mit körperlicher Unbeweglichkeit ( führt zu vermehrter Calcium-Ausschwemmung aus dem Knochen in das Blut mit erhöhter Ausscheidung über die Nieren)
  • Vitamin D-Überdosierung (vermehrte Calcium-Aufnahme aus der Nahrung im Darm mit erhöhten Blutspiegeln und wiederum erhöhter Ausscheidung über die Nieren)

 


Harnsäuresteinbildung:


  • Gicht (erhöhte Harnsäure im Blut)
  • vermehrte Harnsäure-Ausscheidung bei normalen Blutwerten
  • ernährungsbedingte erhöhte Harnsaüre- Spiegel im Blut

 


Phosphatsteine:


  • bei Infektionen

 


 


Krankheitsbild

Koliken, Druckschmerz im Nierenlager, Kreuzschmerzen, Blut im Urin, ausstrahlende Schmerzen auf der jeweiligen Seite bis in die Leisten und das Genitale, Unruhe des Patienten, evtl. Erbrechen auf dem Höhepunkt der Kolik, anschließend vorübergehend Abflauen des Schmerzes, verstärkter Harndrang

 
 


Diagnostik

Urin-Untersuchung auf Blutbestandteile, Ultraschall, Röntgen

 
 


Therapie

Bei abgangsfähigem Stein Trinkstösse, krampflösende und schmerzstillende Medikamente, Wärme, Bewegung (Hüpfen).

Falls nach ein bis zwei Wochen auf diese Weise kein Fortschritt zu erzielen ist, kann eine Zertrümmerung des Steines in der Niere oder im Harnleiter von außen oder mittels Spiegelung von innen erfolgen. Schliesslich kann in heutzutage noch selten gewordenen Fällen eine Schlinge gelegt oder operiert werden.

 
 


Vorbeugung

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2-3 Litern pro Tag
  • regelmäßig eingenommene normale Mischkost
  • Verdauungsregulierung mit ballastreicher Kost
  • aktive körperliche Bewegung
  • Vorbeugung und ggfs. Behandlung von Harnwegsinfekten